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Samstag, 23. Mai 2015
#6 Rotchäppli in Love - Bombarda Maxima Pfau
Vielleicht müssen wir hier und dort der Vergangenheit doch einen Besuch abstatten, damit wir lernen in der Gegenwart zu leben, anstatt in der Zukunft. In der Zukunft könnte ich mir einen Arm brechen oder noch schlimmer, mein Herz könnte gebrochen werden. Ja typisch Jess, lieber einen gebrochenen Arm als ein gebrochenes Herz. Könnte, könnte, könnte... ist doch nicht zum Aushalten.
Wenn ich meine Gedanken und Ängste von der Leine lasse - oh boy - da hätten wir schon den 12. Weltkrieg, Wasserstoffblondies & Veganer überall in der Stadt und ich würde nochmals heiraten. Ehm ja.. wie ihr seht reichen meine Gedanken ziemlich weit, in schlechte und gute(!) Richtungen.
Ich denke es ist wie in einem Garten oder auf dem Feld zu stehen, man erinnert sich an Zeiten wo alles blühte und herrlich süsse Düfte einem um die Nasen wehten. Klar will man sofort wieder aus bracher Erde einen Garten Eden zaubern - aber was ist bisher rausgekommen, wenn ich mit meinem Elderstab rumgeschwungen hab wie beim Zauber "Wingardium Liviosa"? Genau, ich hab wie Seamus die Feder in die Luft gejagt. Schön.
Diesmal hab ich einen ganzen Pfau in die Luft gejagt und nein am Ende hatte ich keinen fetten Braten, sondern ein Schlachtfeld mit Innereien und verbrannten Federn. Dabei hätte ich wissen müssen, dass Beschleunigung nicht die richtige Formel für Glück ist. Hab ich das nicht schon vor 3 Jahren gelernt? Anscheinend nicht. Jetzt aber habe ich es gelernt, weil dieser Pfau mir echt am Herzen lag oder liegt.. was auch immer. Der Pfau liegt jetzt verstreut herum und ich kann ihn nicht zusammenflicken. Schön.
Wenn ich zurück denke, wie mein damaliges Glück angefangen hatte, wie es nach und nach erblühte, dann merke ich, dass es mit etwas sehr banalem angefangen hat. Es wurde Saat in den Boden gepflanzt, dann wurde gegossen und man wartete entspannt - sah dem Sprössling zu wie er wuchs und wuchs und erfreute sich seines Wachstums. Es geschah natürlich, ohne Hast, ohne Angst, dass aus dem Apfelbaum vielleicht doch ein Kirschbaum wird. Deswegen wurde aus einer Saat ein ganzer Garten Eden.
Zeiten ändern sich, Menschen ändern sich - aber ein Garten braucht nach wie vor viel Pflege und Zeit! Es bringt nichts sich den Kopf zu zermattern, ob der Garten nun 3 Apfelbäume haben wird oder ein ganzes Beet voller Pfingstrosen (die ich übrigens am liebsten mag). Der Garten wird herrlich heranwachsen früher oder später, wenn man ihn nur hegt und pflegt mit Geduld. Das heisst nicht, dass hier und da kein Unkraut spriessen wird, aber auch da hat man die Wahl ob man es entfernt oder weiterwuchern lässt, bis der Garten niedergebrannt werden muss.
Ein langsamer, stetiger Prozess ist etwas sehr schönes, wenn man die Gedanken an die Zukunft & das ganze "hätte, würde, könnte" beiseite legen kann. Ein Neuanfang ist ein Neuanfang, eine andere Person, nicht die gleiche Vergangenheit - es ist neu und sollte auch so behandelt werden. Schade habe ich es zu spät gelernt, aber besser spät als nie. Das war wahrscheinlich der Grund wieso ich ein Kamikaze Unterfangen beim Pfau gestartet hatte, weil ich dieses ständige "was wäre wenn" leid war - lieber hab ich mich zum grössten Vollpfosten von Bern gemacht, als einen Tag länger zu denken "was wäre wenn ich doch nur was gesagt hätte". Aber das was ich gesagt habe, habe ich es nur aus Angst gesagt? Aus Angst, dass sonst niemals ein Garten Eden heranwachsen wird? Es war ehrlich gesagt nicht nur Angst, es kam von Herzen, aber mit einem angstvollen Unterton. Mein Fehler.
Jetzt gerade ist mir mehr nach Tee & zuschauen wie der Garten vor sich hinwächst. Am besten von einem Platz weit oben aus. Ich liebe die Höhe.
Ich weiss, ich bin eigenartig manchmal und viele Leute (inklusive mein Schutzengel) fassen sich an den Kopf und denken "oh Jess... wieso" - aber so bin ich, ich kämpfe für Dinge & Menschen die mir etwas bedeuten, auch wenn ich vielleicht über das Ziel hinausschiesse und mich Leute belächeln. Ich denke einer meiner grössten Stärken ist zu glauben - der Glaube an das was in meinem Herzen ist. Ich habe draus gelernt, aber ich glaube dennoch, dass es nie zu spät sein kann sein Glück in neuen Händen zu finden. Was sind wir denn, wenn wir nicht glauben? Verloren.
Sonntag, 10. Mai 2015
#5 Rotchäppli in Love - Wie Tee im Sommer
Wie Tee im Sommer
Irgendwie unpassend oder nicht? Aber was ist, wenn Tee im Sommer genau das richtige ist? Ich hab mich die letzten Jahre zurückgezogen, bin weniger exzentrisch und allgemein wurde mir nachgesagt, dass ich emotional einen "Stock im Arsch" habe. Dabei bin ich exzentrisch, dabei bin ich der old school lover der echt denkt,dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Nur wurde das alles irgendwie unter den Teppich gekehrt, trauriger Weise von mir selber.
Eine Brise und eine Flamme treffen sich hoch oben über einem viel befahrenen Platz, die Brise lässt die Flamme höher und höher schlagen bis aus ihr ein Feuer wird. Im nächsten Moment leert die Brise einen Kübel Wasser aus und wundert sich dann, wieso da kein Flämmchen mehr auflodert. Ziemlich dumm oder? Aber irgendwie auch logisch. Die Brise, ja die liebe Brise hatte Angst, dass sie in den Flammen untergeht und am Ende nichts weiter ist als hitzige Luft. Aber was ist so schlimm dran? Eine Brise ist kühl, erfrischen auf eine Art und Weise aber geniessen wir nicht auch Brisen voller Wärme in einer kalten Winternacht? Doch das tun wir, weil wir dann einander näher kommen und die gegenseitige Wärme geniessen.
Ich habe eine Gabe, wie jeder andere Mensch auch, aber meine Gabe besteht daraus zu geben. Die Gabe zu geben schlummert in jedem von uns, nur irgendwie haben wir es über die Jahre eingestellt, weil wir entweder ausgeraubt wurden oder niemals ein "danke" gehört haben. Aber besteht die Gabe vom Geben nicht darin, zu geben ohne zu fordern? Sind wir mittlerweile zu egoistisch geworden?
Gibst du mir nichts, gebe ich dir nichts?
Seit ich 13 bin habe ich viel gegeben, scheisse, ich hab alles von mir gegeben. Zu geben hiess für mich früher mich selber aufzugeben, meine Jugend wegzuschmeissen - alles für das grosse Bild. Und in diesem grossen Bild habe ich mich selbst verloren. Dabei habe ich erst jetzt erkannt, dass ich so viel gewonnen habe, in dem ich mich voll umfänglich weggeschmissen habe für die, die mir am Herzen liegen. Aber jetzt bin ich 25 und erst jetzt sehe ich, dass meine Mühe nicht vergebens war - ich erhalte so viel zurück. Ich erhalte Dinge zurück die man nicht mit Gold aufwiegen kann, ich erhalte Dinge zurück die mir zeigen, dass vollkommene Hingabe etwas wundervolles sein kann.
Da liegt es, pochend und schlagend, mein Herz - ausreissen wäre das falsche Wort - aber ich hab es fein säuberlich rausgeschnitten und ich präsentiere es auf einem Teller, der vorher im Ofen vorgewärmt wurde. Vollgefüllt mit tollem Spargel und Rind, für das ich morden würde. Das i-Tüpfelchen was ich dazu gebe, besteht aus einer Sauce aus Knochen - mit Liebe und Mühe zubereitet. Weil was greift tiefer als unsere Knochen, sie sind unser Gerüst, ohne das wir nicht sein könnten. Was für eine wundervolle Komposition.
Deswegen gebe ich nun, ohne etwas zu erwarten. Ich gebe alles von mir, mein Herz und mein zweit kostbarstes Stück.
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