Freitag, 11. September 2015

#16 Rotchäppli in Love - Apfelstrudel



Früchte sind am süssesten kurz bevor sie verderben – Affären genauso.

Gerade war ich wieder in meinem Astrologieforum am Lesen und habe einen interessanten Post gesehen. In dem Post ging es um eine jüngere Frau die ein Verhältnis mit einem Kerl hat und mittlerweile vorne und hinten nicht mehr weiss wo sie steht. Es war das übliche Prozedere: sie haben sich kennengelernt, haben Zeit zusammen verbracht, er hat ihr das richtige Mass an Aufmerksamkeit geschenkt und ihr seine halbe Lebensgeschichte erzählt. Das sie zusammen im Bett gelandet sind muss ich wahrscheinlich nicht extra betonen, das ist klar. Männer haben wohl irgendwo eine unsichtbare Gefühlsantenne, die Alarm schlägt, wenn eine Frau kurz davor ist die Beziehungsthematik anzusprechendiese Antenne wird allerdings so wenig benutzt wie die Klobürsten auf öffentlichen WCs. However, als er sie fest genug um seine Türklingel gewickelt hat, lässt er die Bombe platzen: wir sind Freunde und ich will dich nicht als Freundin verlieren.

Nägel auf der Schiefertafel sag ich nur

Aber nein, das weibliche Gehirn versucht die Situation emotional zu rationalisieren – was für ein Widerspruch in sich gell – in dem es alle „er hat es doch ernst gemeint“ Indizien aufzählt und zum Schluss kommt, dass er es nicht so meint, wie er gerade gesagt hat. Es ist lächerlich, aber nachvollziehbar zu gleich. Wenn Männer uns in ihre Lebensgeschichte einweihen, uns im Vertrauen Dinge erzählen, uns das Gefühl geben etwas Besonderes zu sein und ellenlange Gespräche über Gott und die Welt mit uns führen, dann ist das für unser Gehirn das „GO“ an der Ampel. Jaja, aber diese Investitionen sind Vorgehensweisen vom weiblichen Geschlecht, nicht aber vom männlichen.

Männern könnten ihr Leben wildfremden Leuten erzählen, es ist für sie keine grosse Sache – weil sie immerhin nicht ihre tiefsten Ängste und Gefühle preisgeben. Wir Frauen hingegen sehen es als grossen Vertrauensbeweis, wenn Mann uns wehleidig über seine verpatze Geburtstagsparty aus Kinderzeiten erzählt oder über seinen grossen Stress bei der Arbeit mault.  Männer schmeissen mit der Aufmerksamkeit auch rum als ob sie Brot wäre, alles was vielversprechend aussieht kriegt Aufmerksamkeit. Wir Frauen hingegen setzen unsere Aufmerksamkeit gezielter ein und tendieren eher dazu aufmerksamkeitsmonogam zu daten. Und fertig ist der Apfelstrudel.

Männer wissen, wie sie Frauen lange bei der Stange halten können – lang genug um dann gefahrenlos die „wir sind Freunde“ Bombe platzen zu lassen. Wieso? Weil die Frau zu der Zeit schon genug Hoffnungen und Gefühle aufgebaut hat und genug manipuliert worden ist um nicht mehr klar sehen zu können. Der verdorbene Apfel sollte auf dem Kompost landen, aber nein nein, nicht bei uns Frauen. Aus dem wird noch versucht ein Apfelkuchen zu zaubern – wir haben den Apfel immerhin lange genug bestaunt und begehrt, jetzt wollen wir unseren Kuchen. Aber schmeckt der Kuchen dann überhaupt noch? Soweit wird bei uns Frauen garnicht gedacht, Hauptsache wir kriegen das blöde Teil.

Männer haben auch ein Herz und sie wollen sich gebraucht und betüddelt fühlen. Ja das trifft auch zu wenn sie in einer Affäre sind – allerdings sitzen sie am Ende der Leitung und wollen nichts retour schicken. Was ist praktischer als eine liebe Frau die einem hinterherdackelt und abrufbereit ist, die ein bisschen(!) kuschelt oder einem voller Verständnis zuhört, wenn man wieder über den blöden Chef oder die vergeigte Autowäsche jammert und dann die Pforte zum Nirvana öffnet?

Jetzt ist der Moment indem viele sagen „aber Moment, er ist auch etwas eifersüchtig und hat mir gesagt, dass er mich nicht teilen will – er will mich“ – Schneewittchen hat auch nur einen roten Apfel gesehen und alle Vernunft über Bord geworfen, bravo, willkommen im Club! Kein Mann teilt wirklich gerne, auch wenn es sich nur um seinen Türabtreter mit zwei Brüsten handelt. Natürlich wird er sagen, dass es ihm nicht passt wenn jemand anderes an seinem Kuchen nascht – Männer sind Kinder im Herzen – aber kaufen würde er den Kuchen trotzdem nicht, der ist doch immerhin gratis und läuft übermorgen ab! Dabei geht es nur ums Ego, mehr nicht.

In jenem Moment wo es am süssesten ist, wird der Apfel schrumpelig und matschig. Irgendwie vor prädestiniert oder? Vielleicht sollten wir nicht nur dem Apfel hinterherjagen, sondern lieber einen eigenen Baum im Garten pflanzen.

Montag, 7. September 2015

#15 Rotchäppli in Love - Prestige ist das neue Pink



Prestigeobjekte werden immer wichtiger, ja schon fast essenziell – wer fährt den schnelleren Wagen, wer hat die grösste Michael Kors Sammlung zuhause (falls dieser Trend schon wieder passé ist, dann tuts mir ja leid) oder wer hat schlicht weg am meisten vorzuzeigen. Dabei habe ich mir letztens noch im Bett Gedanken darüber gemacht, dass mein damaliger Lebensstil mittlerweile garnicht mehr meinen jetzigen Bedürfnissen entspricht.

Ich habe mir wirklich Gedanken darüber gemacht, was ich im Leben brauche um glücklich zu sein – nicht nur was ich möchte. Wenn ich Dinge aufzählen kann, die ich möchte, habe ich bei weitem noch nicht all die Dinge die ich tatsächlich brauche. Hät ich gerne wieder einen Audi, na logo. Hät ich gern wieder eine teure Hütte für 2.5 k, na logo. Aber seitdem ich diesen ganz besonderen Mann kennen und lieben gelernt habe, der im Juno in mein Leben schritt, habe ich ganz andere Bedürfnisse in mir selber wahrgenommen oder gar wieder entdeckt. Er könnte mir Gänseblümchen vom Friedhof pflücken und ich würde ein riesen Bouquet sehen. Er könnte mit mir in einer kleinen Wohnung abseits leben und ich würde es mein liebevolles Zuhause nennen. Er könnte mich mit an den See oder die Aare nehmen und ich fühle mich wie im Urlaub. Er könnte mit mir Kebabessen gehen und ich geniesse es genauso wie im Gourmet Tempel.

Mein Partner ist für mich mein Zentrum, meine Familie, mein Halt und das Wesentliche im Leben – alles andere ist nur noch Beilage für mich.

Ich kann Männer verstehen die dem Thema Ehe mit einer gewissen Abneigung entgegentreten. Man sagt zwar, dass es der Tag der Braut ist, aber ich will und brauche kein Fest in dem ich im Mittelpunkt stehe und dafür mehrere tausend Franken verballer. Mich würde das Thema auch verschrecken, wenn Frau mit ihrer endlosen Liste von Sonderwünschen kommt. Jeder soll und darf zelebrieren wie er möchte, aber ich finde oftmals ist der Fokus zu sehr auf die Träume einer Frau ausgelegt, die sie damals als Kind hatte. Natürlich ist die Prinzessinen Hochzeit der Kindertraum schlechthin – aber es ist die Zelebrierung einer Bindung, nicht der eines längst vergangenen Kindertraums. Aber wo bleibt das Wesentliche? Wo bleibt die Intimität, die Art von Intimität die euch als Paar erst dort hingebracht hat? Ich bin mir sicher, dass jeder seinen Traditionen treu bleiben kann, wenn er nicht den Blick für das Wesentliche verliert. Wieso muss es ein Verlobungsring von Tiffany’s sein – weil es ein riesen Hype von damals ist und man wahrscheinlich neugierigen Nervensägen nicht sagen möchte, dass der Verlobungsring keiner aus dem Edelhause ist. Ich finde spätestens da sollte man sich fragen, wieso man sich verlobt.

Mit dem richtigen Mann an deiner Seite wird jeder Moment etwas Besonderes, jeder Fortschritt ist ein weiterer Stein auf dem Fundament, jede Aufmerksamkeit und Zuwendung ist ein besonderes Geschenk von Herzen. Wenn wir uns mehr darauf besinnen können, was wir brauchen – anstatt zu erfragen was wir wollen – dann bin ich mir sicher, dass wir alle viel glücklicher sind. Wer den Pfennig nicht ehrt, ist die Mark nicht wert.
Wenn wir nach dem Prinzip gehen, wag ich sogar zu behaupten, dass einige Ehen garnicht erst entstehen würden. Wie vielen Frauen geht es heutzutage noch darum eine Familie zu sein resp eine Familie zu gründen, wie vielen Frauen geht es noch um das eigentliche Geben und Erhalten des Eheversprechens? Oder dass die Kinder den gemeinsamen Familiennamen tragen? Nennt mich altmodisch, aber früher wurde man eher schräg angeschaut, wenn man zusammenlebte und nicht verheiratet war oder gar bis 35 munter durch die Geschichte reiste und keine Kinder hatte. Ich persönlich finde es schade, dass ich heutzutage belächelt werde, weil ich 25 bin und mir solche familiären Werte am Herzen liegen und ich diese genauso gerne umsetzen möchte wie meine Eltern und deren Eltern zuvor. Anscheinend ist Prestige das neue Pink, für mich aber nicht.

Ich dachte immer, dass es mein Traum sei eine grosse und exklusive Hochzeit zu feiern oder dass es unbedingt notwendig ist in einer riesigen Attikawohnung zu leben. Mittlerweile fühl ich mich in behaglicher Zweisamkeit so viel wohler und sicherer, dass alles andere Nebensache geworden ist. Es muss nichts kompensiert werden, weil alles vorhanden ist. Wenn ich abends nachhause komme freue ich mich jedes Mal, weil ich weiss, dass alles was ich brauche dort auf mich wartet. Wenn ich überteuerten Schmuck sehe, schaue ich meinen Ring an und lächel, weil kein Geld der Welt die Bedeutung des Ringes aufwiegen kann. Wenn ich wunderschöne und pompöse Hochzeiten sehe, freue ich mich insgeheim auf eine kleine, bescheidene familiäre Hochzeit – dieses Mass an Intimität und Vertrautheit kann mir selbst die luxuriöseste Hochzeit niemals geben.


Liebe ist Luxus, wenn man sie mit dem Herzen betrachtet. Wer das nicht sieht, schaut nicht richtig hin.

Dienstag, 7. Juli 2015

#14 Rotchäppli in Love - Zirkus Halli-was?!





Irgendwie kommt mir das Dating Leben im Generellen wie ein Zirkus vor, du gehst hin, kaufst Karten und vielleicht noch etwas Popkorn dazu und setzt dich hin um dir eine einstündige Vorstellung anzusehen und weisst eigentlich schon mehr oder weniger wie der Spass ablaufen wird.

Geschminkte Clowns die irgendeinen Nonsens zeigen, Tiger und Löwen die durch Feuerringe springen und ganz und garnicht dort sind, wo sie eigentlich hingehören und dann haben wir natürlich noch den Zirkusdirektor, der uns in seinem kleinen stickigen Zelt willkommen heisst.

Ich hab den Zirkus an und für sich nie wirklich gemocht – und das heutige Datingleben vieler Frauen erinnert mich ziemlich sehr daran. Eingenommen von irgendeinem vielversprechenden Plakat oder bequatscht von einem dahergelaufenen Messerschlucker, viele von uns denken „lassen wir es doch mal drauf ankommen und schauen uns die Show an“. Jetzt läuft mir noch diese doofe Zirkusmusik nach, na danke.
Die Manege wird eröffnet, Musik ertönt und das Programm wird runtergerattert – doch was ist danach? Danach zieht sich der Clown vielleicht eine andere Maske über, um seine Nachtschicht als Michael Myers oder Freddie Krüger anzufangen – wer weiss! Alles nur eine Fassade – immer wieder das gleiche Schauspiel – und dennoch sind viele von uns wahnsinnig fasziniert von den interessanten Kostümen und lustigen Reden.

Viele von uns Frauen haben zich Monate oder sogar Jahre an Clowns verschwendet und landen je nachdem immer wieder bei solchen Pappnasen. Wer ist nun Schuld? Jaja, nicht alle auf einmal meine lieben Damen – die gewetzten Messer bitte noch für einen Moment wegpacken – danke. Ich behaupte mal, dass wir nur so weit ausgenutzt, verletzt oder an der Nase herumgeführt werden können, wie wir selber es unserem Gegenüber erlauben. Wie habt ihr reagiert, als euch ein Kerl vielleicht das erste Mal schlecht behandelt/verletzt hat? Jaja hässig werden wir alle innerlich, aber wer von euch hat wirklich den Mund aufgemacht und veräussert, wie ihr euch fühlt und dass sein Verhalten euch verletzt? Wie viele von euch haben tatsächliche Lösungswege aufgezeigt, anstatt nur dazuhocken, zu schmollen und zu warten, dass sich der Idiot entschuldigt? Wie viele von euch haben konsequent gehandelt und die Notbremse gezogen eventuell?!

Wenn wir mal ganz ehrlich mit uns selber sind, abgesehen davon, was wir unseren Freundinnen erzählen nach dem Motto „wir haben huerä gestürmt bla bla ich hab es ihm zich Mal gesagt“, wie ehrlich sind wir mit unseren eigenen Gefühlen gegenüber dem Partner? Ich kenne dutzende Beispiele in denen die Frau bei ihrem Freund bleibt, scheinbar unglücklich und frustriert – nach aussen zeigen sie gerne Stärke, jammern und fluchen dann aber im nächsten Moment. Macht nicht wirklich Sinn was? Aber so ticken nun mal viele – jeder sucht sich sein Unglück selber aus. In vielen Fällen von häuslicher Gewalt bleibt die Frau sogar bei ihrem Partner, weil Frauen diese lästige Eigenschaft haben so sehr zu hoffen, dass ihr Freund der mittlerweile zum Arsch mutiert ist, wieder so wird wie er am Anfang war.

Der Kerl hat sich nicht verändert – er zeigt einfach nur sein wahres Gesicht! 

Ich kenne aber auch Fälle, in denen der Kerl von Anfang an ein Mistkerl war, aber die Frau einfach nur zu blind war es zu sehen und erst später, wenn auch bei ihr langsam mal 12 Uhr schlug, sah sie mit wem sie wirklich zusammen war.

Mehr Frauen würden endlich ein glückliches Liebesleben führen, wenn sie aufhören würden Karten für Zirkusvorführungen zu kaufen! Ich persönlich möchte meinen Partner nicht ändern – klar jeder kann Kompromisse eingehen was zum Beispiel den Haushalt betrifft etc, aber charakterlich gesehen will ich meinen Partner nicht ändern müssen. Sonst ist er so oder so der falsche von Anfang an. Das ist ein Punkt, der so oft übersehen wird – weil hey er sieht ja so gut aus, ist lustig, fährt dieses und jenes Auto oder hat ja so einen geilen Body – gähn… hallo!!! Aufwachen!! Wenn wir alle blind wären und einander nur auf Grund unseres Charakters kennenlernen würden – puuuh!! Da behaupte ich würden 50% der Beziehungen garnicht zu stande kommen. Wir alle haben Entscheidungen getroffen die mal mehr oder weniger schlecht waren, aber wir werden immer wieder ins Klo greifen, wenn wir daraus nicht lernen und vorallem uns selbst nicht genug lieben um zu sagen „ich verdiene jemanden wie mich selber“ – vielleicht würden dann ein paar Leute mal aufwachen.

Ich habe dutzenden Frauen zugehört, vorallem als mein englischer Blog damals bekannter wurde, es ist immer wieder das gleiche Schema – er ist der böse. Da sage ich ja ok, aber du bist die blöde. Passt doch?! Wie wärs, wenn wir zuhause damit anfangen? Wie wärs, wenn wir die Initiative ergreifen und uns von Dingen und Menschen lösen, die uns nicht gut tun und mit denen wir niemals Hand in Hand nach Rom laufen werden? Wie wärs, wenn wir einmal im Leben uns für uns selber entscheiden, anstatt nur zu jammern?


Es sind zwei paar Schuhe an einer Beziehung zu arbeiten mit jemandem mit dem man auf gleicher emotionaler/mentaler Augenhöhe ist – es ist aber etwas komplett anderes, ob man verzweifelt versucht aus einem Hofnarr einen König zu machen. Die Vorstellung ist so romantisch, dass Prince Charming daher kommt und uns den Atem raubt – das funktioniert nicht im echten Leben. Eine gesunde, glückliche Beziehung fällt einem nicht einfach so in den Schoss. Wie wollen wir den passenden Partner fürs Leben finden, wenn wir nicht mal selber genau wissen, was wir wollen?

Bei mir ist es zum Beispiel so, dass es für mich mittlerweile unerlässlich ist, dass der Mann an meiner Seite ein gesundes und ausgeprägtes Ego hat, weil er sonst unter meinem untergehen wird! Und ich schäme mich auch nicht dafür das zu sagen, weil so bin ich einfach – ich stecke ein, teile aber auch aus und wenn mein Partner dann nicht lachen kann oder direkt eingeschnappt ist, dann ist er fehl am Platz neben mir. Genauso wie es für mich unabdingbar ist, dass er wissen muss ob er eine Familie gründen möchte oder nicht. Ein „ich weiss noch nicht oder ne vielleicht mal mit 35“ ist für mich das direkte Oneway Ticket zurück auf den Singlemarkt. Kurzer Prozess, weil meine Zeit ist viel zu kostbar, als dass ich sie für jemanden verschwende, der nicht meine Kragenweite ist – wie gesagt, das Dating ist wie eine Art Schuhkauf mit 14-Tage-Rückgaberecht.

Wenn ihr nun aber mit diesem Kerl zusammen gekommen seid, dann bitte – lebt mit eurem eigenen Glück resp Unglück und spielt nicht das Opfer, sondern tut etwas!!! Euch selbst zu Liebe, weil das ist etwas was euch immer wichtig sein sollte – ihr selber. Konsequenz, Selbstliebe, Respekt und Eigeninitiative, versucht das mal und das Leben sieht schon ganz anders aus.

Montag, 6. Juli 2015

#13 Rotchäppli in Love - die weite See



Das Leben ist wie der offene Ozean - unberechenbar und doch voller unentdeckter Wunder.

Von der Küste aus sieht man weit in die Ferne und erfreut sich an dem Horizont, wenn der Sonnenuntergang ihn in ein tiefes orange taucht. Aber so lange man an der Küste bleibt, wird man immer wieder den gleichen Horizont sehen, immer aus der gleichen Perspektive - man wird nie die Gischt auf der Haut spüren und man wird nie wissen was einen in der weiten Ferne erwartet.

Jeder von uns sass mal mit jemandem in einem Ruderboot - rudert man nur einseitig, dann wird man sich immer nur im Kreis bewegen. Lieber spring ich von Bord als mit jemandem in einem Boot zu sitzen, der nicht den Mut und nicht die Leidenschaft aufbringt, mit mir zusammen das Leben mit all seinen Facetten zu entdecken. Meine Liebe ist wie das Meer, aufbrausend wie die Gischt am Bug, mitreissend wie die Strömung und tiefer als jeder Meeresgraben. Ich brauche keinen Matrosen bei mir an Deck, ich brauche einen Navigator. Ein Mann der mit mir zusammen die Ziele steckt und sie mit Gewissheit und Zuversicht ansteuert ohne sich von hohen Wellen oder Stürmen vom Kurs bringen zu lassen. Ob das Meer nun die Ruhe selbst ist oder ob ein Sturm droht die Masten niederzureissen - der richtige Navigator wird wissen, wann die Segel zu setzen sind und wann sie wieder einzuholen sind um heil durch alle Lagen zu kommen.

Es wird Zeiten geben, wo der direkte Kurs nicht der beste sein wird - es wird Zeiten geben, wo Bemühungen und Geduld gefragt sind um durch heikle Gewässer zu navigieren und es wird Zeiten geben, wo der direkte Kurs der beste ist. Es wird aber genauso Zeiten der Ruhe und der Gelassenheit geben, Zeiten in denen man den ruhigen Seegang und den herrlichen Duft des Meeres geniesst. Ein gutes Team setzt seine Kurse neu, wenn es mal nicht weitergeht oder wartet geduldig auf ruhigere Gezeiten. Wie soll ein Team zusammenwachsen und neue Horizonte entdecken, wenn sie ihren Anker sicher in der Nähe der Küste auswerfen? Ein eingespieltes Team setzt die Segel auch wenn der Wellengang ungewiss ist, sonst würde ich sagen ich brauche einen Küstenschwimmer mit Schwimmflügelchen. Es sind die Chancen die da draussen auf uns warten, die Chancen auf ein neues Leben - und wenn wir sie nicht ergreifen, dann werden wir immer nur vor der Küste herumtümpeln und uns immer fragen "wie weit reicht der Horizont?"

Leg mit mir ab, lass uns die Segel setzen - auf uns wartet ein völlig neues Leben. Ein freies Leben voller Chancen, Überraschungen und Wundern - wieso ich das weiss? Weil ich dich als meinen Navigator an meiner Seite habe und mit dir bis ans Ende der Welt segeln werde.

ich liebe dich

Sonntag, 28. Juni 2015

#12 Rotchäppli in Love - Gradwanderung



Höher und höher, das denk ich mir jedes Mal, wenn ich oben auf dem Dach sitze und die Beine baumeln lasse. Was ist schon der 12. Stock, denk ich mir. Und dennoch fällt es mir leichter, ohne zu überlegen mich weit oben hinzusetzen und unbekümmert die Höhe zu geniessen. Aber über meinen Schatten zu springen... das erschüttert mich bis auf mein Mark, wie jemanden der panische Höhenangst hat. 

Ich liebe diese Türme auf der Kirmes, die dich in 80 Meter Höhe schicken und dich in einem Wimpernschlag fallen lassen - um dich 20 Meter über dem Boden mit einem Ruck aufzufangen. Wieso sollte ich Bedenken haben, du wirst immer aufgefangen. Wie paradox das Herz, respektive unsere Gedanken, doch sein können, man könnte dabei sterben, wenn etwas schief läuft. Springt man aber über seinen Schatten in ungewisse emotionale Tiefen, dann würde einem vielleicht am Ende das Herz gebrochen werden - aber man würde leben. Wieso traut man sich in halsbrecherische Höhen aber nicht in die seelische Tiefe? 

Die Antwort liegt auf der Hand, aber wie können wir wirklich lieben, wenn wir nicht lernen zu springen? Das Wasser ist vielleicht garnicht kalt... ich denke sogar, dass das Wasser wunderbar warm sein wird und ich mich fragen werde, wieso ich die Meerjungfrau in mir drin so lange nicht entdeckt habe. Danach will ich garnicht mehr ans Land, das weiss ich jetzt schon.

Schonmal auf einem 10 Meter Turm im Schwimmbad gestanden? Ja es ist hoch, aber man kann die Höhe von oben nicht realistisch einschätzen, weil man bis zum Boden vom Schwimmbecken sieht - allein das ist schon schwer genug. Was ist aber nun, wenn man nicht bis zum Boden sieht und man einfach darauf vertrauen muss, dass da unten kein Weisser Hai mit Godzilla und Co wartet? 

Da steht jemand unten beim Beckenrand und winkt dir zu - "ich warte unten auf dich und fische dich zur Not raus" - weil er auch vertraut, dass der andere oben auf dem Turm den Mut finden wird um zu springen - weil er so entschlossen ist und seinem Herzen folgt.

Tief einatmen.... schau nicht runter, sondern spring. Atme weiter und du wirst das Gefühl des freien Falls geniessen. Nach dem ersten Sprung, wird jeder weitere ein Kinderspiel - weil du weisst, jemand wartet unten auf dich und er wird dich nicht ertrinken lassen. 

danke

Mittwoch, 24. Juni 2015

#11 Rotchäppli in Love - Alles und nichts



Was sind wir wenn wir nicht glauben - verloren.

Was ist alles, was ist nichts. Ist es alles, wenn man so sehr glaubt? Ist es alles, wenn man denkt "ich weiss, du wirst nicht gehen"? Ist es alles, wenn man denkt "es kommt wieder gut, er wird nicht gehen"? Ist es alles, wenn man glaubt "er wird sein Wort halten, mir in die Augen sehen und sich verabschieden"? Ist es alles, wenn man glaubt "nein, er würde das niemals machen - jeder, aber nicht er"

Und ist es nichts, wenn man die Augen aufschlägt, der Puls rast, sie kommt in dein Zimmer und du liesst die Antwort auf deine unausgesprochene Frage in ihrem Gesicht. Ist es nichts, wenn man in deren Zimmer geht und nach einer Tatsache Ausschau hält, die das Haus längst verlassen hat. Ist es nichts, wenn man denkt "wieso habe ich nur geschlafen.. ich wollte doch Frühstück machen, vielleicht bleibt er dann"?

Ist es alles und nichts, wenn du verzweifelt deine Hände um die seinen und die Tasche legst? Ist es alles und nichts, wenn du vor Wut schreist und vor Verzweiflung weinst und wie um dein Leben flehst? Ist es alles und nichts, wenn du die Kälte aussen spürst aber bis auf dein Innerstes verbrennst? Ist es alles und nichts, wenn du versprichst zu gehorchen und bessere Noten in Zukunft zu schreiben? Ist es alles und nichts, wenn du den Rücklichtern nachschreist und merkst, dass du ganz alleine da stehst? Ist es alles und nichts, wenn du sein Gesicht jeden Tag an seinem Platz siehst, an dem er nicht mehr sitzt? Ist es alles und nichts, wenn du jeden Tag die Worte "er kommt zurück, er hat versprochen er liesse mich nie alleine" flüsterst?

Ist es alles, wenn du den Schalter umlegst und lächelst? Ist es alles, wenn du dich innerlich wegsperrst, weil dein Schmerz unerwünscht und unpassend ist? Lächel für mich Mäuschen. Warum lächelst du denn nicht? Du bist doch mein grosses Mädchen. Und ich sage "siehst du nicht wie ich lächel? Mein schönstes Lächeln für dich". Jede Faser brennt und verätzt - aber ich lächel, weil er selber unter seiner Scham und Schuld brennt. Wie könnte ich dich jemals zwingen deinen Schmerz zu zeigen, der dich doch verraten würde - denn du bist unfehlbar.  Ist es alles, wenn ich sage "weine, weine wie ich es nicht mehr darf"? Ist es nichts, wenn ich sage "ich brenne aber ich darf nicht weinen, wie konntest du nur denken, ich sei stark genug um dich zu ersetzen"?

Ist es alles und nichts, wenn du wieder anfängst zu glauben? Ist es alles und nichts, wenn du deine Hand ausstreckst und sagst "ich lösche dein Feuer" und danach deine Haut übersät von Brandblasen ist? Ist es alles und nichts, wenn du sagst "ich lasse dich nicht im Fegefeuer zurück, obwohl du uns drin hast brennen lassen"? Ist es alles und nichts, wenn ich sage "warum hast du mich nicht meines Stolzes und meiner Ehre beraubt, warum hast du sie ihrer beraubt - warum nicht mir, sie hätte nie brennen dürfen.. nicht sie, denn sie schenkte mir mein Leben"?

Wenn ich meine verstorbenen Grosseltern anschaue weiss ich, für sie war es alles oder nichts, nicht so wie für dich - für sie war es niemals alles und nichts. Als meine Grossmutter starb, war es für meinen Grossvater nur noch nichts. Doch niemals alles und nichts.

Ich bin alles oder nichts, ich bin nicht wie der Mann, der uns hat brennen lassen. Ich werde eine Familie haben und sie wird nie brennen müssen. Ich bin alles oder nichts, wenn ich dich, den Mann an meiner Seite, anschaue und mir denke "mit dir bin ich alles oder nichts - wieso? - ich weiss es einfach, denn du weisst es genauso. Ich weiss es einfach"



Montag, 22. Juni 2015

#11 Rotchäppli in Love - Eskimo im Sommer




Es ist Sommer, die Nächte werden länger, die Temperaturen steigen und viele laufen in Shirts und kurzen Hosen rum. Aber einige von uns geistern als Eskimo durch die Strassen, eingepackt in zich Schichten Kleidung mit Robbenpelzmütze. Wieso?

Haben wir Angst, dass wenn wir uns so offen zeigen würden, wie andere - unsere Träume, unsere Ängste, unsere Schattenseiten, unsere kleinen Ecken und Kanten - dass uns jemand gleich eine Wolldecke überschmeissen würde?

Wahrscheinlich. Durch die Jahre haben wir uns Schicht für Schicht weiter eingepackt - schwitzend aber sicher vor möglichen Enttäuschungen? Definitiv. Hier und da haben wir vielleicht kurz die Mütze abgenommen und es gleich wieder bereut. Aber was heisst es, sich Stück für Stück auszuziehen? Es wird jemand kommen, jemand spezielles der dir zeigen wird, dass sich die Sommerbrise wundervoll anfühlt auf der Haut, dass der Sommerregen erfrischend und befreiend ist, wenn Tropfen für Tropfen an deiner Haut runterläuft.

Es wird jemand kommen, der dir die Mütze abnimmt und dir durchs Haar fährt und sagt "dein Gesicht ist ohne das drumherum so wundervoll".

Es wird jemand kommen, der dir die Schichten langsam auszieht und sagt "desdo mehr ich von dir sehe und entdecke, desdo mehr will ich dich nie mehr anziehen"

Es wird jemand kommen, der dich so sieht wie du bist und sagt "du kannst ruhig die Handschuhe ausziehen, deine Berührungen werden mich nicht zerbrechen"

Mit den bunten Schichten kommen auch dunkle Schichten zum Vorschein, aber sie sind genauso wundervoll - denn sie sind echt und sie überhaupt zu Gesicht zu kriegen heisst, dass Vertrauen vorhanden ist. Wenn man es so betrachten sieht man, dass jede Farbe etwas besonderes ist - genauso wie wir selber. Finde jemanden, der dir all das auszieht und im Schrank verstaut. Denn wenn ihr zusammen unterwegs seid, wird dieser jemand dir Wärme spenden, dieser jemand wird seinen Regenschirm mit dir teilen und dich nicht alleine im Regen stehen lassen.

Ich bin ein extrovertierter Mensch im Generellen, aber meine Gefühlswelt ist introvertiert und eingepackt wie ein Eskimo. Es fällt mir sehr schwer Schwäche zu zulassen und mich der möglichen Kälte draussen auszusetzen. Aber ich hab jemanden gefunden, nein er hat mich gefunden, und er hat mir die Mütze abgenommen, mich angelächelt und ich wusste "ich brauche meine Eskimo Garderobe nicht mehr". Obwohl wir beide noch recht angezogen sind weiss ich, dass ich jede Schicht von ihm entdecken möchte und ausziehen möchte. Denn was ist intimer und zusammenschweissender als den anderen in seinem Innersten zu kennen, nachdem die Fassade gefallen ist, wie der Vorhang in der letzten Vorführung. Ich will keine Vorführungen mehr, keine Kinoabende, keinen abspielenden Film mit dem immer wiederkehrenden Ende.

Lieber schreibe ich ein Buch, mit vielen vielen Kapiteln - aber ohne Happy End. Denn das was wir aufbauen soll kein Ende haben.

Danke Babe, mein Schrank füllt sich allmählich mit Kleidern, die ich nicht verschenken will aber nicht mehr tragen möchte. Denn mit dir lauf ich lieber lachend in Shorts, Tanktop und Converse rum.